Die Begeisterung der Kinder ist Anerkennung und Bestätigung zugleich. Die Umstellung eines über viele Jahre gewachsenen Spielbetriebs ist keine leichte Aufgabe. Eine verlässliche Unterstützung auf allen Ebenen bildet daher die Grundlage für eine positive Entwicklung des Kinderfußballs im Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW).
Der Grundsatz lautet: Alle Kinder spielen mit. Die Zahl der Spielerinnen und Spieler sowie die Größe des Spielfeldes wachsen mit dem Alter der Kinder.
Was hat es mit den neuen Spielformen auf sich?
Das Spielen mit dem Ball und das Erzielen von Toren sind wesentliche Gründe dafür, dass Kinder Freude am Fußball haben. Die neuen Spielformen sollen allen Kindern möglichst häufig die Gelegenheit geben, selbst am Ball zu sein, eigene Aktionen durchzuführen und Tore zu erzielen.
Dafür wird in kleineren Mannschaften und mit wechselnden Spielformen gespielt. Dies fördert die individuelle Entwicklung, schafft persönliche Erfolgserlebnisse und stärkt die Freude am Fußball.
Die neuen Spielformen gelten grundsätzlich für die Altersklassen der G-, F- und E-Juniorinnen und -Junioren.
Die Spielformen im Überblick
G-Jugend – U6/U7
- Drei gegen drei, alternativ zwei gegen zwei
- Spiel auf zwei oder vier Tore
- Keine Torhüterin und kein Torhüter
- Drei Feldspielerinnen beziehungsweise Feldspieler und höchstens ein Rotationskind
- Bis zu acht Durchgänge mit jeweils etwa fünf Minuten Spielzeit
Nach jedem Tor wechseln beide Mannschaften jeweils ein Kind. Nach jedem Durchgang rücken die Gewinnerteams ein Spielfeld weiter, während die unterlegenen Teams ein Spielfeld zurückgehen.
Festivalsieger werden nicht ermittelt. Weitere Spielvarianten sind möglich.
F-Jugend – U8/U9
- Fünf gegen fünf mit Torhüterin oder Torhüter
- Alternativ drei gegen drei oder vier gegen vier ohne Torhüterin oder Torhüter
- Spiel auf zwei oder vier Tore
- Höchstens ein bis zwei Rotationskinder je Mannschaft
- Etwa sechs bis acht Minuten Spielzeit pro Durchgang
Die Spielform richtet sich nach der tatsächlichen Zahl der anwesenden Kinder. Unterschiedliche Spielmodelle können innerhalb eines Festivals kombiniert werden.
Auch hier rücken die Mannschaften abhängig vom Spielergebnis zwischen den Feldern auf oder ab. Festivalsieger werden nicht ermittelt.
E-Jugend – U10/U11
- Grundspielform sieben gegen sieben
- Spiel auf zwei Jugendtore
- Organisation über den Ligabetrieb
- Zusätzliche Spielfeste sind möglich
- Nebenspielfelder im Drei-gegen-drei oder Vier-gegen-vier
Auf den Nebenspielfeldern können auch die zunächst nicht auf dem Hauptfeld eingesetzten Kinder aktiv Fußball spielen. Zwischen Haupt- und Nebenfeldern wird regelmäßig gewechselt.
Das Erlebnis und die aktive Beteiligung aller Kinder stehen vor dem Ergebnis.
Warum gibt es die neuen Spielformen?
Die neuen Spielformen sollen den Kinderfußball altersgerechter gestalten. Je größer eine Mannschaft ist, desto weniger Ballkontakte erhalten die einzelnen Kinder. Besonders körperlich unterlegene oder noch weniger erfahrene Spielerinnen und Spieler werden dadurch häufig nur wenig in das Spiel einbezogen.
Kleinere Teams ermöglichen mehr Ballkontakte, eigene Entscheidungen, Torabschlüsse und Erfolgserlebnisse. Gleichzeitig wird verhindert, dass bereits im frühen Kindesalter zu viel Wert auf taktische Vorgaben gelegt wird und dadurch die Ausbildung der fußballerischen Grundlagen in den Hintergrund tritt.
Der geringere Einfluss von Trainerinnen, Trainern und Eltern soll außerdem die Selbstständigkeit der Kinder fördern. Sie lernen, eigene Lösungen zu finden und mit Siegen und Niederlagen umzugehen.
Welche Vorteile bieten die Spielformen?
Alle Kinder spielen mit.Jedes Kind erhält mehr Ballkontakte und eigene Spielaktionen.
Die Spielformen orientieren sich am Alter und Entwicklungsstand der Kinder.
Dribbling, Torabschluss und individuelles Verteidigen werden häufiger trainiert.
Die Kinder lernen Fair Play sowie den Umgang mit Siegen und Niederlagen.
Mannschaften mit einem ähnlichen Leistungsstand treffen häufiger aufeinander.
Die Freude am Fußball und die langfristige Bindung an den Verein werden unterstützt.
Ist das noch „echter Fußball“?
Ja. Fußball besteht aus zwei Mannschaften, Toren und einem Ball. Spiel, Bewegung, Freude und das Erzielen von Toren stehen auch bei den neuen Spielformen im Mittelpunkt.
Durch die kleineren Mannschaften dribbeln die Kinder häufiger, haben mehr Ballkontakte und können öfter Tore erzielen. Dies gilt insbesondere für Kinder, die noch nicht zu den leistungsstärksten Spielerinnen und Spielern gehören.
Auch das individuelle Verteidigen wird intensiver gefördert, da jedes Kind häufiger unmittelbar am Spielgeschehen beteiligt ist.
Ergebnisse, Tabellen und Spielleitung
Die einzelnen Spiele werden gewertet, die Ergebnisse jedoch nicht dauerhaft in Tabellen festgehalten. Abhängig vom Ausgang eines Spiels steigen die Mannschaften innerhalb eines Festivals auf ein anderes Spielfeld auf oder ab.
Auf Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter wird verzichtet. Trainerinnen, Trainer und Betreuungspersonen übernehmen gemeinsam die Spielleitung und greifen nur ein, wenn dies erforderlich ist. Entscheidungen sollen möglichst von den Kindern selbst getroffen werden.
Eltern dürfen die Kinder unterstützen, müssen jedoch – sofern sie nicht als offizielle Betreuungspersonen eingesetzt sind – den vorgeschriebenen Abstand zu den Spielfeldern einhalten.
Werden weniger erfahrene Kinder demotiviert?
Bei den bisherigen größeren Spielformen kommen langsamere, körperlich unterlegene oder weniger erfahrene Kinder häufig nur selten an den Ball. Teilweise werden sie auf Positionen eingesetzt, die sie nur wenig am eigentlichen Spiel beteiligen.
In den kleineren Spielformen werden alle Kinder enger in das Spiel einbezogen und erhalten mehr Ballkontakte. Durch das Auf- und Absteigen zwischen den Spielfeldern treffen zudem verstärkt Mannschaften mit einem vergleichbaren Leistungsstand aufeinander.
Welche organisatorischen Anforderungen bestehen?
Für die Durchführung werden mehrere Tore und ausreichend Betreuungspersonen benötigt. Insbesondere in der F- und G-Jugend können Eltern bei der Organisation eines Spielenachmittags unterstützen.
Wenn keine Minitore vorhanden sind, können Tore vorübergehend durch Hütchen oder Stangen markiert werden. Geeignete Minitore mit Netzen verbessern allerdings das Spielerlebnis.
Die Verbände unterstützen die Vereine bei der Einführung der Spielformen und bei organisatorischen Fragen. Die in der Praxis gewonnenen Erfahrungen werden für die weitere Entwicklung des Kinderfußballs genutzt.
Wie werden die Spielformen im DFBnet abgebildet?
Grundlage ist die reguläre Mannschaftsmeldung im DFBnet. Kreise und Vereine können Festivals über das Modul „Vereinsturniere“ erfassen. Die eigentliche Spielplanung erfolgt vor Ort.
Im DFBnet können unter anderem die Mannschaften den einzelnen Spieltagen zugeordnet, die Spielstätten belegt und die eingesetzten Kinder im Sammelspielbericht dokumentiert werden.
Zusätzlich steht die Teampunkt-App des DFB zur Verfügung. Über diese können sich Vereine beispielsweise zur Zahl der teilnehmenden Kinder, zum Aufbau der Spielfelder und zum benötigten Material abstimmen.
Was bedeutet das für die Torhüterausbildung?
Zwingend ohne Torhüterin oder Torhüter wird nur in der G-Jugend gespielt. In diesem Alter stehen vielseitige Bewegungserfahrungen sowie Spaß und Freude am Fußball im Vordergrund. Eine frühe Festlegung auf bestimmte Positionen ist nicht vorgesehen.
Im Training können weiterhin Torschussspiele durchgeführt werden, bei denen sich alle Kinder im Tor ausprobieren. Ab der F-Jugend ist alternativ eine Spielform im Fünf-gegen-fünf auf Kleinfeldtore mit Torhüterin oder Torhüter möglich.
Wie werden die Spielformen in der Halle umgesetzt?
Die grundlegenden Ziele des Kinderfußballs gelten unabhängig von der Jahreszeit und vom Spielort. Die Regeln und Organisationsformen sollen daher möglichst sinnvoll vom Außenspielfeld auf die Halle übertragen werden.
Dabei müssen die vorhandene Hallengröße, die Zahl der verfügbaren Tore, die Sicherheitsabstände und die Anzahl der teilnehmenden Kinder berücksichtigt werden.
Downloads
Weiterführende Informationen
- Spielregeln und Organisation
- Trainerinnen und Trainer im Kinderfußball
- Spielabzeichen „KiFuß“ und „Westfalenpferdchen“
- Informationen und Materialien des DFB
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